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Angststörungen und Körpersymptome

  • Autorenbild: Sophia Sandig
    Sophia Sandig
  • 10. Apr.
  • 3 Min. Lesezeit

Wenn Angst körperlich spürbar wird


Angst gehört zu unserem Leben dazu. Sie ist eine wichtige Schutzreaktion, die uns in

Gefahrensituationen wachsam macht und unser Überleben sichert. Doch was passiert, wenn

Angst nicht mehr nur situativ auftritt, sondern sich verselbstständigt und der Körper dauerhaft

reagiert?

Oft entstehen dann intensive körperliche Symptome: Herzrasen, Schwindel, Atemnot oder

Magenbeschwerden. Häufig ohne klaren medizinischen Befund. Das kann verunsichern und

die Angst zusätzlich verstärken.

In diesem Artikel erfahren Sie, warum Angst so starke körperliche Reaktionen auslösen kann

und was dabei im Körper passiert.



Was ist eine Angststörung?


Von einer Angststörung spricht man, wenn Angstreaktionen übermäßig stark, anhaltend oder

nicht mehr an konkrete Situationen gebunden sind.


Häufige Formen sind:

  • Generalisierte Angststörung (ständige innere Anspannung und Sorgen)

  • Panikstörung (plötzliche, intensive Angstattacken)

  • Soziale Angststörung (Angst vor Bewertung durch andere)


Die körperlichen Symptome dazu sind real, auch wenn keine organische Ursache gefunden

wird.



Warum Angst im Körper entsteht


Angst ist kein „nur psychisches“ Phänomen. Sie betrifft immer den ganzen Organismus.

Entscheidend ist dabei das Zusammenspiel von Gehirn, Nervensystem und Hormonen.


Die Alarmreaktion des Körpers

Sobald das Gehirn eine Gefahr wahrnimmt (real oder gefühlt) aktiviert es das sogenannte

Stresssystem:

  • Der Sympathikus (Teil des vegetativen Nervensystems) wird aktiviert

  • Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol werden ausgeschüttet

  • Der Körper wird in Alarmbereitschaft versetzt


Diese Reaktion ist ursprünglich sinnvoll: Sie bereitet uns auf Flucht oder Kampf vor.

Problematisch wird es, wenn dieser Zustand dauerhaft aktiv bleibt.



Typische körperliche Symptome bei Angst


Angst kann sich auf ganz unterschiedliche Weise im Körper zeigen. Besonders häufig sind:

  • Herzrasen oder Herzklopfen

  • Atemnot oder Engegefühl in der Brust

  • Schwindel oder Benommenheit

  • Zittern oder innere Unruhe

  • Schwitzen

  • Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Durchfall)

  • Muskelverspannungen

  • Schlafstörungen

Diese Symptome entstehen durch ein überaktives Nervensystem, nicht durch eine organische

Erkrankung.


Ähnliche Mechanismen zeigen sich auch bei Herzrasen ohne Befund, wie Sie in diesem

Artikel nachlesen können. 



Der Teufelskreis bei Angst


Ein zentraler Mechanismus bei Angststörungen ist der sogenannte Angst-Körper-Kreislauf:

1. Erste körperliche Reaktion (z. B. Herzklopfen)

2. Bewertung („Mit meinem Herz stimmt etwas nicht“)

3. Angst verstärkt sich

4. Körper reagiert noch stärker

5. Neue Symptome entstehen

So kann sich die Angst immer weiter aufschaukeln, auch ohne äußeren Auslöser.

Viele Betroffene entwickeln dadurch eine starke Körperaufmerksamkeit und interpretieren

harmlose Signale als gefährlich.


Die Rolle des Nervensystems

Das vegetative Nervensystem spielt eine Schlüsselrolle:

  • Sympathikus → Aktivität, Stress, Alarm

  • Parasympathikus → Ruhe, Regeneration


Bei Angststörungen ist häufig der Sympathikus überaktiv, während der Parasympathikus zu

wenig regulierend eingreift.

Der Körper bleibt dadurch dauerhaft in einem Zustand erhöhter Anspannung.

Dieses Ungleichgewicht ist auch bei vielen psychosomatischen Beschwerden zu beobachten.



Wenn Gefühle keinen Ausdruck finden


Ein wichtiger, oft unterschätzter Faktor sind unverarbeitete oder unterdrückte Emotionen, die

sich über den Körper ausdrücken.

Studien zeigen, dass emotionale Prozesse eng mit körperlichen Reaktionen verknüpft sind.

Wenn Gefühle wie Angst, Wut oder Trauer nicht bewusst wahrgenommen oder verarbeitet

werden, übernimmt der Körper häufig diese „Kommunikation“.


Dieses Prinzip zeigt sich auch bei funktionellen neurologischen Störungen. 


Beispiel:

Anna, 32, kommt in die Praxis wegen plötzlichem Herzrasen, Schwindel und Atemnot.

Mehrere medizinische Untersuchungen bleiben ohne Befund.

Die Symptome treten vor allem in ruhigen Momenten auf – abends oder am Wochenende.

Anna beginnt, ihren Körper ständig zu beobachten und vermeidet zunehmend Situationen, in

denen die Symptome auftreten könnten.

In der Therapie wird deutlich:

Sie steht seit Jahren unter hohem inneren Druck und hat Schwierigkeiten, Gefühle

wahrzunehmen und auszudrücken.

Durch die Kombination aus Gesprächstherapie, Körperarbeit und EMDR lernt sie, ihr

Nervensystem zu regulieren und ihre Körpersignale anders einzuordnen. Die Symptome

werden deutlich seltener.



Was hilft bei körperlichen Symptomen durch Angst?


Ein ganzheitlicher Ansatz ist besonders wirksam, da Körper und Psyche eng

zusammenarbeiten.


1. Verstehen, was im Körper passiert

Wissen reduziert Angst. Wenn Betroffene verstehen, dass ihre Symptome Ausdruck einer

Stressreaktion sind, verliert die Angst oft an Intensität.


2. Nervensystem regulieren

  • Atemübungen (verlängertes Ausatmen)

  • Entspannungsverfahren

  • Achtsamkeit

Diese Methoden aktivieren den Parasympathikus und helfen dem Körper, aus dem

Alarmmodus herauszukommen.


3. Körperarbeit und Bewegung

Sanfte Bewegung, Physiotherapie oder Körperwahrnehmungsübungen helfen, Spannung

abzubauen und das Körpergefühl zu verbessern.

Körperorientierte Ansätze können nachweislich das emotionale Gleichgewicht stabilisieren. 


4. Psychotherapeutische Unterstützung

Verfahren wie Gesprächstherapie oder EMDR können helfen:

  • emotionale Auslöser zu erkennen

  • Stressmuster zu verändern

  • belastende Erfahrungen zu verarbeiten


Fazit: Angst ist im Körper sichtbar

Angststörungen zeigen eindrucksvoll, wie eng Körper und Psyche miteinander verbunden sind.

Die Symptome sind real, auch wenn keine organische Ursache gefunden wird.

Der Körper reagiert auf innere Prozesse, Stress und Emotionen.

Wer lernt, diese Zusammenhänge zu verstehen und zu regulieren, kann den Kreislauf aus Angst und körperlicher Reaktion durchbrechen.


Quellen (Auswahl)

  • Brosschot JF et al. (2023). Chronic stress and the autonomic nervous system. Psychosomatic Medicine.

  • Thayer JF & Lane RD (2022). Neurovisceral Integration and Heart Rate Variability. Biological

    Psychology.

  • American Psychiatric Association (DSM-5): Anxiety Disorders

  • World Health Organization (WHO): Guidelines for stress-related conditions

 
 
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