EMDR – Wie Augenbewegungen heilen können
- Sophia Sandig

- 1. Okt. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Vielleicht kennen Sie es selbst: Ein Erlebnis aus der Vergangenheit lässt Sie nicht los. Bestimmte Bilder, Geräusche oder Situationen tauchen immer wieder auf – oft verbunden mit Angst, Stress oder körperlicher Anspannung. Eine Methode, die weltweit in der Psychotherapie erfolgreich eingesetzt wird, heißt EMDR. Doch was genau ist das eigentlich?
Was bedeutet EMDR?
EMDR steht für Eye Movement Desensitization and Reprocessing – auf Deutsch: Desensibilisierung und Verarbeitung durch Augenbewegungen. Entwickelt wurde die Methode Ende der 1980er Jahre von der US-Psychologin Francine Shapiro. Ursprünglich zur Behandlung von Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) gedacht, wird EMDR heute auch bei Ängsten (auch bei z.B. Spinnenphobie oder Höhenangst), Depressionen, chronischen Schmerzen und psychosomatischen Beschwerden eingesetzt.
Wie wirkt EMDR?
Die Grundidee: Traumatische Erlebnisse werden im Gehirn nicht vollständig verarbeitet, sondern wie „eingefroren“ abgespeichert. Dadurch können sie später durch kleine Auslöser (Trigger) wieder hochkommen und sind oft mit starken Emotionen oder/und innerer Unruhe, Nervosität und Übererregung verbunden.
Bei EMDR wird die Erinnerung bewusst aufgerufen – gleichzeitig führt der Therapeut eine schnelle Stimulation der Augen oder bilaterale Reize (z.B. Klopfen, Töne im Wechsel links/rechts) durch. Dies aktiviert Verarbeitungsmechanismen im Gehirn, ähnlich wie in der REM-Schlafphase, in der wir normalerweise Eindrücke sortieren und Erinnerungen einordnen. Die Erinnerung wird in der EMDR- Sitzung mit einer anderen Emotion verknüpft. Studien zeigen, dass dadurch die belastende Erinnerung ihre emotionale Schärfe verliert. Sie bleibt zwar als Erlebnis gespeichert, ist aber nicht mehr so überwältigend.
Beispiel für die Anwendung von EMDR:
Anna, 36 Jahre: Nach einem Autounfall litt sie unter Panikattacken beim Autofahren. Jede rote Ampel rief die Angst zurück. In der EMDR- Therapie wurde die Erinnerung an den Unfall schrittweise bearbeitet. Nach wenigen Sitzungen konnte Anna wieder Autofahren – die Erinnerung blieb, aber ohne Panik.
Was sagt die Wissenschaft dazu?
Neurowissenschaftliche Befunde: Bildgebende Verfahren zeigen, dass sich die Aktivität im Angstzentrum (Amygdala) nach EMDR reduziert, während das Gehirn Erinnerungen neu vernetzt.
Wirksamkeit bei PTBS: Internationale Leitlinien (u.a. WHO, APA, DGPPN) bestätigen EMDR als eine der effektivsten Methoden bei Traumafolgestörungen.
Breite Anwendung: Auch bei Depressionen, Angststörungen, chronischen Schmerzen oder psychosomatischen Erkrankungen zeigen Studien positive Effekte.
Wie läuft EMDR in der Praxis ab?
Eine EMDR-Sitzung folgt meist einem klaren Ablauf:
Anamnese & Zieldefinition – Klären, welches Erlebnis bearbeitet werden soll.
Stabilisierung – Ressourcen und Sicherheit aufbauen und einen sicheren Raum erarbeiten.
Bilaterale Stimulation – Augenbewegungen oder andere Reize in unterschiedlicher Geschwindigkeit während der Erinnerung.
Neu-Verknüpfung – Die belastende Erinnerung verliert an Intensität, Positive bzw. ruhigere Gedanken und Gefühle treten an ihre Stelle.
Viele Klienten berichten nach der Behandlung von innerer Ruhe, besserem Schlaf und mehr Freiheit im Alltag.
Fazit:
EMDR ist eine wissenschaftlich fundierte, wirkungsvolle Methode, die Menschen dabei hilft, traumatische Erlebnisse, Ängste und belastende Erinnerungen zu verarbeiten. Sie ermöglicht, das Geschehene hinter sich zu lassen, ohne dass es den Alltag weiter bestimmt.
Bei mir erhalten Sie Hilfe
Möchten Sie erfahren, ob EMDR auch Ihnen helfen kann? In meiner Praxis begleite ich Sie professionell und einfühlsam auf diesem Weg – ganzheitlich und mit Methoden, die Körper und Psyche gleichermaßen berücksichtigen.
Quellen:
Shapiro, F. (2017). Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) Therapy: Basic Principles, Protocols, and Procedures. 3rd Edition. Guilford Press.
World Health Organization. (WHO). (2013). Guidelines for the management of conditions specifically related to stress. Geneva: WHO
American Psychological Association (APA). (2017). Clinical Practice Guidelines for the Treatment of Posttraumatic Stress Disorder (PTSD) in Adults. APA.
Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). (2019). S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörungen.



