Burnout – Wenn Dauerstress den Akku leer zieht
- Sophia Sandig

- 7. Nov. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 9. Jan.

Viele Menschen kennen Phasen, in denen die Arbeit zu viel wird. Doch Burnout ist mehr als
„ein bisschen müde“. Es beschreibt einen Zustand tiefer Erschöpfung mit innerer Distanz zum
Job und dem Gefühl, nicht mehr wirksam zu sein.
Wichtig: Burnout entsteht im Arbeitskontext – und ist laut ICD-11 als „berufsbezogenes
Phänomen“ eingeordnet, nicht als Krankheit.
Es umfasst drei Kernmerkmale:
1) Energieverlust/Ermüdung,
2) innere Distanz/Zynismus gegenüber der Arbeit,
3) verminderte berufliche Wirksamkeit.
Woran erkenne ich Burnout?
Typische Warnsignale im Alltag:
Anhaltende Erschöpfung trotz Schlaf
Innere Kündigung: Rückzug, Zynismus, Gereiztheit im Job
Gefühl, nicht mehr wirksam zu sein; Konzentrationsprobleme, Fehler häufen sich
Körperliche Signale: Verspannungen, Magen-Darm-Beschwerden, Herzklopfen,
Infektanfälligkeit
Rückzug von sozialen Kontakten, Grübeln, Schlafstörungen
Hier ist eine Abgrenzung wichtig: Burnout ist nicht gleich Depression.
Bei Verdacht auf Depression (z. B. anhaltend gedrückte Stimmung, Interessenverlust,
ausgeprägte Antriebshemmung), oder Suizidgedanken, massivem Gewichtsverlust oder
Schlafverlust über mehrere Tage, sollte dies unbedingt beim Arzt abgeklärt abgeklärt werden.
Warum reagiert der Körper mit?
Chronischer Stress hält das Nervensystem im Alarmmodus (Sympathikus), Regeneration
(Parasympathikus) kommt zu kurz. Langfristig kann das zu Schlafstörungen,
Verdauungsproblemen, Spannungsschmerz und Herz-Kreislauf-Beschwerden führen – ein
Zusammenspiel, das ich in der Praxis oft sehe.
Wie die Psyche es schafft, körperliche Symptome auszulösen, lesen sie hier.
Wie entsteht Burnout? – Die Arbeitswelt als Nährboden
Die Forschung beschreibt sechs Arbeitsbereiche, in denen ein anhaltendes Ungleichgewicht
Burnout begünstigt:
1. Arbeitslast
2. Kontrolle/Autonomie
3. Anerkennung/Belohnung
4. Gemeinschaft/Teamklima
5. Fairness
6. Wertepassung/Sinn
Je mehr Bereiche dauerhaft im Minus sind, desto höher das Risiko – umgekehrt schützen
stimmige Rahmenbedingungen.
Beispiel:
Jana, 36, Teamleiterin aus Dresden:
Jana arbeitet seit Monaten 50–60 Stunden pro Woche, das Team ist unterbesetzt. Sie schläft
schlecht, reagiert gereizt und fühlt sich „wie ferngesteuert“. Am Wochenende ist sie zu
erschöpft für Freunde. In der Therapie lernt sie, Frühwarnzeichen zu erkennen, Grenzen zu
setzen und Erholung fest zu verankern. Parallel werden Aufgaben priorisiert und im
Unternehmen neu verteilt. Nach acht Wochen berichtet Jana: „Ich kann wieder abschalten –
und bin im Job klarer.“
Was hilft?
1) Organisations- und Team-Ebene
Arbeitslast steuern: realistische Ressourcen, Priorisierung, Vertretungskonzepte
Autonomie erhöhen: Entscheidungsspielräume, Fokuszeiten ohne Meetings
Anerkennung & Fairness: wertschätzendes Feedback, transparente Prozesse
Werte & Sinn klären: Aufgaben an Stärken koppeln, Zielbilder teilen
2) Individuelle Ebene
Gedanken und Erwartungen strukturieren:
3-Schritte-Notiz: Was belastet? Was ist beeinflussbar? Erster Mini-Schritt
heute?
Top-3-Liste pro Tag: max. drei wichtige Aufgaben, alles andere ist „nice to
have“
Stop-Doing-Liste: Was kostet viel Energie, bringt aber wenig? Streichen oder
delegieren
Achtsamkeit & Selbstregulation:
60 Sekunden Atempause: 4 Sek. einatmen, 6 Sek. ausatmen – 6 bis 10 x
Mini-Bodyscan: Kurz wahrnehmen: Stirn, Kiefer, Schultern, Bauch – locker
lassen
Mikro-Pausen einplanen: Jede Stunde für mindestens 1 Minute aufstehen,
strecken, Fenster öffnen
Bewegung & Schlafhygiene:
Täglich 20- 30 Minuten: locker gehen, joggen oder Rad fahren
Dehnroutine 3 Minuten: Nacken, Schultern, Rücken
Feste Schlafzeiten: möglichst gleiche Bett- und Aufstehzeit, auch am
Wochenende
Abendroutine: 60 min vor dem Schlafen Bildschirme aus, warmes Licht, ruhige
Tätigkeit
Soziale Unterstützung:
Eine Person einweihen: „Ich bin gerade sehr erschöpft – darf ich mich melden,
wenn’s viel wird?“
Peer-Check-in pro Woche (15 min): Was lief gut? Was lassen wir weg?
Schrittweise Rückkehr nach Auszeit (falls Sie pausiert haben):
Woche 1: 50-60% Stunden, klare Pausen, keine Überstunden
Woche 2: 70-80%, Aufgaben priorisieren, maximal 1-2 Meetings/Tag
Woche 3+: weiter steigern, aber: feste Feierabendzeit, Erholungsfenster im
Kalender behalten
Grenzen sichtbar machen: Abwesenheits-/Erreichbarkeitszeiten, Meeting-Diät,
Aufgabenverteilung klären
Und wo passen körperorientierte Methoden hinein?
Achtsamkeits- und Körperverfahren unterstützen die Nervensystem-Regulation (Herunterunterfahren
des Sympathikus, Aktivierung des Parasympathikus). In meiner Praxis kombiniere ich bei
Bedarf physiotherapeutische Entspannungs-/Atemtechniken mit psychotherapeutischen
Ansätzen. Für traumabezogene Belastungen, die Burnout verstärken können (z. B. nach
kritischen Ereignissen), kann EMDR zusätzlich hilfreich sein – die Wirksamkeit ist hierfür
gut belegt, vor allem bei Stress-/Traumafolgestörungen. (Hinweis: EMDR ist keine
spezifische Burnout-Therapie, kann aber relevante Stressspitzen senken.)
Selbstcheck (3 Fragen nach ICD-11-Logik)
Bin ich fast täglich erschöpft, egal wie viel ich schlafe?
Merke ich innere Distanz/Zynismus gegenüber meiner Arbeit?
→ Wenn Sie hier deutlich nicken: Sprechen Sie mit mir oder Ihrer Hausärztin/Ihrem
Hausarzt, holen Sie sich Unterstützung – und prüfen Sie, was sich im Arbeitsumfeld
verändern lässt.
Fazit: Burnout ist ein Systemthema – und lösbar
Burnout ist ein berufsbezogenes Erschöpfungssyndrom. Es entsteht, wenn Anforderungen,
Ressourcen und Sinn über längere Zeit nicht zusammenpassen.
Gute Nachrichten: Mit organisatorischen Veränderungen und gezielter Selbstregulation lässt
sich der Trend umkehren – oft spürbar schon in wenigen Wochen.
Bei mir finden Sie Hilfe und Begleitung bei Burnout
Möchten Sie Burnout vorbeugen oder einen Weg aus der Erschöpfung finden?
In meiner Praxis für ganzheitliche Psychosomatik, EMDR und Physiotherapie (Dresden)
erhalten Sie eine Kombination aus psychosomatischer Diagnostik, körperorientierten
Methoden und Achtsamkeit.
Melden Sie sich gern.
Quellen (Auswahl)
WHO: Burn-out in ICD-11 – Definition & Einordnung.
Maslach C, Leiter MP (2016): Understanding the burnout experience. World
Psychiatry. (Arbeitsbereiche, Entstehungsmodell).
West CP et al. (2016): Interventions to prevent and reduce physician burnout. The
Lancet. (Wirksamkeit Organisation/Individuum).
Panagioti M et al. (2017): Controlled interventions to reduce burnout in physicians.
(Organisation & Individuum).
Ong NY et al. (2024); Michaelsen MM et al. (2023): Meta-Analysen zu
Mindfulness/Arbeitsplatz-Interventionen.
Nationale VersorgungsLeitlinie „Unipolare Depression“ (2023):
Differenzialdiagnostik.



